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Wohnen inklusiv

Der Fachtag „Wohnen inklusiv“ blickte im Juni konkret auf die Situation der Menschen mit Behinderung in den Städten, Gemeinden, Vierteln und Quartieren und stellte die Frage: Wie möchten Menschen mit Behinderung heute leben? Das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG) gibt Richtlinien vor, die individuelle und personenzentrierte Hilfen fordern. Zu den neuen Herausforderungen zählt die Entwicklung neuer alternativer Wohnformen gegenüber stationären Wohnangeboten. Der Fachtag unterstrich dabei die unmittelbare und frühzeitige Einbindung der Menschen mit Behinderung und ihre Expertise in eigener Sache. Vertreter*innen aus gelungenen Praxisbeispielen stellten ihre Erfahrungen und Empfehlungen vor. Insgesamt 120 Teilnehmer*innen aus ganz Deutschland nahmen hier teil.

Über die aktuellen Rahmenbedingungen des bundesweit in seiner Umsetzung noch nicht abschließend geregelten BTHG referierte Stefan Löwenhaupt von der xit gmbH Nürnberg. „Das BTHG fordert Leistungserbringer in der Eingliederungshilfe dazu auf, Wohnangebote auf die individuellen Bedarfe der Menschen mit Behinderung neu auszurichten“, so der Fachmann, der aus diesem Grund auf die ab 2020 großen Herausforderungen für die stationären Wohnangebote hinwies, diesen Anforderungen gerecht zu werden.IK Wohnen I

Eine konkrete Standortbestimmung aus der Praxis bot die Podiumsrunder „Wohnen im Dialog“. Der Inklusionsaktivist Constantin Grosch kritisierte, dass betroffene Menschen auch unter dem neuen BTHG gegenüber den Kostenträgern immer noch nicht genügend Durchgriffsrechte besäßen. So könnten Leistungsformen gegen den Willen Betroffener mit Blick auf die Kostenschiene durchaus geändert werden, berichtete Grosch, der selber den Rollstuhl nutzt. Petra Strack vom Dienstleistungsunternehmen „Deine Assistenzwelt GmbH“ aus Bonn lebt seit 2003 mit persönlicher Assistenz und möchte das dadurch erlebte Unabhängigkeitsgefühl an ihre Kunden weitergeben. Die Personalmanagerin kombiniert ihre Kompetenzen aus dem professionellen Personalmanagement mit ihren persönlichen Erfahrungen. „Für die Menschen, die zu uns kommen, nehmen wir uns viel Zeit. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung mit dem Leben mit Assistenz wissen wir, wie wichtig es ist, sich auch im Wohnen ausführlich über die individuellen Vorstellungen und Wünsche auszutauschen.

Besondere Aufmerksamkeit erfuhr der Vortrag der Sozial- und Diplompädagogin Dr. Maria Lüttring-haus. Sie ist Begründerin einer Wohngemeinschaft für junge Menschen mit Behinderung - darunter auch Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf. Für die Mutter von drei Kindern war die Parkinson-Erkrankung ihrer seiner Zeit 11jährigen jüngsten Tochter eine Initialzündung, das eigene Zuhause neu zu konzipieren. Denn von behördlicher Seite wurde Maria Lüttringhaus für die Zukunft des Kindes die Unterbringung in einem Altersheim in Aussicht gestellt. „Für mich war es schockierend, dass Jugendliche mit schwerer körperlicher Behinderung, die nicht mehr bei den Eltern leben können, in Deutschland meist in einem Altersheim untergebracht werden“, berichtet die Sozialpädagogin über ihre persönliche Situation. Daraufhin beschloss sie, ihr Haus so umzubauen, dass es als barrierefreies Wohnhaus für eine inklusive Wohngemeinschaft genutzt werden kann. Dort leben heute Student*innen im Rahmen internationaler Austauschprogramme zusammen mit sieben jungen Leuten mit sehr unterschiedlichem Hilfebedarf. Hier funktioniert die gegenseitige Hilfe bei der Alltagsgestaltung und Teilhabe für die WG-Mitglieder auf der einen und sprachlich-kulturelle Unterstützung für die Student*innen auf der anderen Seite.

Für die Gold-Kraemer-Stiftung unterstrich Fachgeschäftsführer Dr. Volker Anneken die Bedeutung des BTHG auch für die eigenen Wohnangebote: „ Für unsere Angebote in der Paul Kraemer Haus gGmbH ist zentrale Aufgabe, Wohnen so zu gestalten, dass die selbstbestimmte Teilhabe im Wohnort oder Viertel für unsere Bewohner selbstverständlich ist. Das Augenmerk bei der Begleitung und Assistenz muss dabei auf den ganz persönlichen Wünschen und Bedürfnissen der Menschen liegen“.

Mit Ralf Faßbender berichtete auch ein Frechener Bürger über seinen Weg in die eigenen vier Wände. Seit drei Jahren lebt der heute 38jährige und ehemalige Bewohner eines Paul Kraemer Hauses allein in einer Wohnung in der Frechener City und erhält im Rahmen des Ambulant Betreuten Wohnens der Stiftung die Hilfe, die er für seine Selbstständigkeit wünscht.

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